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Qualzuchten

Beispiele

Australian Shepherd

Angelehnt an das Gutachten zur Auslegung des $11b des deutschen Tierschutzgesetzes von 1999 und das Merkblatt Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) von 2014 finden Sie im Folgenden einige Beispiele für erbliche Erkrankungen, die bei einer Vielzahl beliebter Hunderassen auftreten:

1. Das Brachycephale (Atemnot)-Syndrom bei kurzköpfigen Rassen
Die Verkürzung des Gesichtsschädels zeigt sich dabei nach OECHTERING 2003 und 2010 an einer deutlich zu großen Zunge im Verhältnis zur Maulhöhle (Franz. Bulldogge), extrem weichem Knorpel in Kehlkopf und Luftröhre, die kollabieren können (Mops), einem zu geringen Durchmesser der Luftröhre (Bulldogge), einer erweiterten Speiseröhre vor dem Herzen, einer Deformierung der Wirbelsäule, einer im Vergleich zur natürlichen Größe bis zu einem Drittel verkleinerten Nasenhöhle und damit verbundenen Stauchung und Verdickung der Nasenmuscheln, angeborene Veränderungen an der Wirbelsäule (Franz. Bulldogge, Mops), im Verhältnis zum Kiefer übergroßen Zähne, hochgradige Veränderungen von Gehörgang und Mittelohr (Mops, Franz. Bulldogge). Die damit verbundene Reduzierung der Lebensqualität (Atemnot, verminderte Möglichkeit zur Thermoregulation) erfüllt klar den Tatbestand der Qualzucht (OECHTERING, 2010).
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Brachycephale Rassen sind: Mops, Englische Bulldogge, Französische Bulldogge, Boxer Pekinese, Chihuahua, Brabanter Griffon, Cavalier King Charles, Shi Tzu, Toy-Spaniel, Yorkshireterrier.

Bei ihnen treten zudem häufig Progenien und durch den stark abgerundeten Hinterschädel Geburtsstörungen auf (besonders Bulldoggen sind kaum noch in der Lage auf natürlichem Weg zu gebären, der Kaiserschnitt ist nicht unüblich). Bei Bulldoggen und Mops treten durch die erblich bedingte Kurzschwänzigkeit und einer Zucht auf Knick- und Korkenzieherschwänze außerdem Keil- und Gleitwirbel im kaudalen Bereich der Wirbelsäule auf.

2. Der Deutsche Schäferhund mit deformierter Hinterhand, stark abfälliger Rückenliege, die einen hochgradig gestörten Gang zur Folge hat. Außerdem Epilepsie.

3. Weitere Gelenksprobleme- und Knochenprobleme treten bei schnell wachsenden Rassen auf (Dogge, Rottweiler, Mastiff): Osteosarkome, Osteolyse, Arthritiden, Hüftgelenks- (HD) und Ellenbogendysplasie (ED). Die Folgen sind schmerzhafte Lahmheiten und Schwellungen. Kleinwüchsige Rassen mit besonders langem Rumpf und kurzen Gliedmaßen wie dem Dackel neigen zudem zu Bandscheibenvorfällen (Dackellähme).

4. Dobermänner erkranken mit einer 58-prozentigen Wahrscheinlichkeit an Dilatativer Cardio-Myopathie (DCM). Herzrhythmusstörungen und der Sekundentod resultieren daraus, außerdem eine stark herabgesetzte Lebenserwartung von unter 8 Jahren. (Ein verpflichtender Test auf DCM wurde vom Dobermann Club Deutschland zurückgenommen, da er vor dem Zuchteinsatz nicht sinnvoll sei.) Auch tritt das seltenere Blue-Dobermann-Syndrom auf, das mit zu dünner oder empfindlicher Haut und einer gestörten Behaarung einhergeht.

5. Das Lebensalter der Bordeaux-Dogge ist sogar noch stärker herabgesetzt, es liegt bei unter 6 Jahren. Ursachen sind Karzinome und Herzerkrankungen, wie DCM und SAS (subvalvuläre Aortenstenosen) sowie Pulmonalstenosen, aber auch HD und ED.

6. Rassen mit viel loser Haut wie beim Shar Pei leiden durch die starke Faltung der Haut häufig an Dermatitis, oft ist eine operative Straffung der Haut notwendig. Beim Basset sammeln sich häufig Schmutzreste, besonders am hinteren Ende des Rumpfes, die durch ständige Reibung häufig Entzündungen der Haut hervorrufen.

7. Der Cavalier King Charles Spaniel leidet an der Syringomyelie, einer Veränderung des Rückenmarks. Diese und der Umstand, dass sein Kopf häufig zu klein für sein Gehirn ist, führen durch Druckerscheinungen zu Krampfanfällen, einem gesteigerten Schmerzempfinden, Epilepsie, Lähmungen, Bewegungsstörungen bis hin zu permanenten deutlich geäußerten Schmerzempfindungen.

8. Rhodesian Ridgeback: Das charakteristische Merkmal ist der im Rassestandard geforderte Rückenstreifen in Form eines Haarkamms. Dieses Merkmal kann Dermoidzysten bedingen, teilweise reichen diese bis in den Wirbelkanal hinein. Bei etwa 10 Prozent der Welpen ist der Rückenkamm mit einer Spina bifida verbunden, was bei Tieren ohne Rückenkamm nicht auftritt. Dennoch werden diese Hunde als nicht standardgemäß eingestuft und häufig gemerzt.

Desweiteren treten Autoimmunerkrankungen oder andere Semiletalfaktoren sowie Blindheit oder Taubheit auf, die mit verschiedenen Färbungen verknüpft sind. Beispielhaft hierfür wäre das Merle-Gen bei Collie oder Australian Shepherd.

Zahlreiche Rassen haben Probleme mit Ektropien oder Entropien etwa die Dogge, Bulldogge, Mastiff, Basset.

Desweiteren treten bekanntermaßen und monogen, homozygot vererbt in Hunderassen etwa folgende Erkrankungen auf: Brachy- und Anurien sowie Verkrüppelung der Schwanzwirbelsäule, Chondrodysplasie, Grey-Collie-Syndrom, Haarlosigkeit, Albinismus, Albinismus oculi, Augenlidkolobom, Brachygnathia inferior, Gesichtsspalten, Hämophilie A und B, Hörschäden, Keratitis nigrans, Linsenluxationen, Lipodystrophie, Idiopathische Myoklonie, Juvenile Pankreas-Atrophie, Progressive Retina-Atrophie, Retinadysplasie, Zahnunterzahl. Durch Gentests können Merkmalsträger dieser Erkrankungen von der Zucht ausgeschlossen werden.