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Qualzuchten

Öffentliche Wahrnehmung

Der Mops ist wegen seines kindlichen Aussehens sehr beliebt. Besitzer unterschätzen jedoch häufig die Anzeichen schwerer Atemprobleme unter denen er häufig leidet.

Anlässlich des Leipziger Tierärztekongresses 2016 hielt Katrin Kuczewski et al. Einen Vortrag über die Wahrnehmung von Qualzuchten in der Gesellschaft und durch den Hundehalter selbst. Dabei stellte sie zu den brachycephalen Rassen fest:

„In den USA besteht eine starke Korrelation zwischen der Beliebtheit von Hunderassen und der Anzahl der Erbkrankheiten unter denen sie leiden. Dies legt nahe, dass die Berücksichtigung der Gesundheit zweitrangig ist, sowohl in der Zucht von Hunden als auch in der Überlegung der Anschaffung eines Hundes. Die Beliebtheit von bestimmten Hunderassen wird vor allem von Modeerscheinungen bestimmt und nicht von funktionellen Eigenschaften, wie der Gesundheit, der Lebensdauer oder Verhaltenseigenschaften bestimmter Rassen (Ghirlanda et al., 2013). Solche Modeerscheinungen können beispielsweise auftreten, wenn Personen mit niedrigem Sozialstatus einflussreiche Personen mit hohem Sozialstatus imitieren (ACERBI et al., 2012).“

Am Beispiel brachycephaler Rassen wurden zahlreiche Untersuchungen zur öffentlichen Wahrnehmung von Qualzuchtmerkmalen beim Hund durchgeführt. Der Fokus liegt auf diesen Rassen unter anderem deswegen, weil ihre Beliebtheit in den letzten Jahren stark zugenommen hat: Laut der Welpenstatistik des VDH hat sich die Welpenanzahl bei den brachycephalen Rassen Mops und Französischer Bulldogge pro Jahr von 2000 bis 2014 verdoppelt. Im Zuge einer präoperativen Umfrage unter Besitzern solcher Rassen stellte RÖDLER 2014 fest, dass nicht nur die Beliebtheit brachycephaler Rassen stark zugenommen hatte, die Schwere des brachycephalen Syndroms ebenso (OECHTERING et al. 2007, OECHTERING 2010). Und weiterhin: „Besitzer kurzschnäuziger Rassen zeigen eine höhere Toleranz gegenüber Atemproblemen bei ihrem Hund als Besitzer anderer Hunderassen; von Tierärzten, Züchtern und Besitzern wird eine Atemsymptomatik sogar als normal oder sogar als Anzeichen von „Wohlbefinden“ angesehen (PACKER et al. 2012, OECHTERING 2012b)“.

Kuczewski et al. stellte zu brachycephalen Rassen fest: „Die Beliebtheit dieser Rassen ist sicherlich auch auf das von Lorenz beschriebene „Kindchenschema“ zurückzuführen. Durch kindliche Proportionen, wie ein relativ großer Kopf, eine große Stirnregion, große, weit unten liegende Augen, rundliche Wangen, elastische, weiche Haut, kurze, kräftige Extremitäten und tollpatschige Bewegungen wird beim Menschen ein Fürsorge- und Kümmerungsverhalten hervorgerufen (LORENZ, 1943; FRIDLUND et al., 1998).“

Hierzu findet sich auch ein Video auf der Vorstellungsseite der Rasse Mops auf der VDH Website: „Freut (der Mops) sich über etwas oder ist er aufgeregt, wedelt er mit der Rute, schnorchelt und schnauft durch die Nase, was sich sehr lustig anhört.“
Dabei ergab die präoperative Befragung von Haltern brachycephaler Rassen, die ihren Hund wegen Atemsymptomatik haben operieren lassen, dass 71 Prozent der Hunde gern aktiver wären, es aber wegen ihrer Atemprobleme nicht könnten; 11 Prozent der Hunde hatte Erstickungsanfälle während des Schlafens hat und knapp ein Viertel der Hunde versucht, wegen Schwierigkeiten beim Atmen im Sitzen zu schlafen (RÖDLER, 2014).