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Qualzuchten

Lösungen

Brachychephale Katze

„Zu einem Fachgespräch, das am 14. März 2017, auf Anregung der Bundestierärztekammer im Bundestag in Berlin stattfand, wurde über Lösungen für die Qualzuchtproblematik besonders in der Hundezucht diskutiert.

Dort kam man zu dem Schluss, dass Rassestandards kritisch überprüft und das Einkreuzen von Rassen stärker in Betracht gezogen werden müssen. Zudem sollten strengere Kriterien für die Überprüfung der Gesundheit von Rassevertretern etabliert werden. Der Belastungstest für kurzschnäuzige Rassen wie er bisher für die Zuchtzulassung vom VDH existiert, sei demnach nicht ausreichend. Von der Tierärzteschaft außerdem bemängelt wurde der Umstand, dass Hunde und Katzen, die zu übertypisiert sind, um eine Zuchtzulassung zu bekommen, dennoch auf Ausstellungen gezeigt und prämiert werden dürfen. 2012 brachte der Bundesrat ein Ausstellungsverbot für Qualzuchten in den Bundestag ein, der Entwurf scheiterte jedoch an Detailfragen. Auch gab es zu dieser Veranstaltung Kritik am Qualzuchtparagraphen 11b, der in derzeitiger Form „Auslegungssache ist“ und den Veterinärämtern zu viel in der Prozessvorbereitung abverlangt. Eine Überarbeitung des Qualzuchtgutachtens wird gefordert, zudem mehr Aufklärungsarbeit bei den Züchtern und Liebhabern, Film- und Werbebranche.

Die AG „Qualzuchten“ der BTK ist derzeit etwa mit einer Erstellung von Checklisten zur Beurteilung von Qualzuchtausprägungen als Hilfestellung für amtliche Tierärzte betraut. (….)“ (Pressemeldung des BTK, 2017)

Da die strengere Auswahl von Zuchttieren nach Gesundheitsstandards den Genpool einer Rasse nur noch weiter einengen würde und das Risiko von dadurch stimulierten Erbkrankheiten erhöhen würde, wird das Einkreuzen von anderen Rassen in arg ingezüchtete Rassen deshalb als Ausweg angesehen, enorm ingezüchtete Rassen, wie den Mops zu „retten“. Die FCI hat dazu „Allgemeine und rassespezifische Richtlinien der FCI für das Kreuzen von Rassen und Rassevarietäten“ herausgegeben. In diesen statuiert sie: „Die FCI fördert die Kreuzung von Rassenvarietäten, wann immer dies für notwendig erachtet wird, um deren Genpool zu vergrößern und die Gesundheit der Tiere zu verbessern; für die Gesundheit der Hunde ist es nicht förderlich, wenn die Populationen zu klein sind“, und weiter, „Zur Verminderung von Gesundheitsproblemen oder von Problemen aufgrund eines ungesunden Körperbaus sollte es generell möglich sein, eng verwandte Rassen oder Rassevarietäten zu kreuzen.“ Darauf folgend sind Rassen aufgelistet, „die gekreuzt werden können“. Mops und Boxer sind darin nicht aufgelistet.

In dem 2009 geänderten FCI-Standard des Mopses steht: „Nasenschwamm: Schwarz mit ziemlich großen weit geöffneten Nasenlöchern. Zusammengedrückte Nase und starke Faltenbildung auf dem Nasenrücken sind unakzeptabel und sollten schwer bestraft werden“ (FCI- RASSESTANDARD Nr. 253).

Eine weitere Verbesserung der brachycephalen Problematik wurde 2009 erreicht: Seitdem sind Belastungstests die kurzschnäuzigen Rassen Französische Bulldoge, Mops und Bulldoge Pflicht. Demnach wird nur noch zur Zucht zugelassen, wer innerhalb von acht Minuten einen Kilometer rennen kann und anschließend zügig auf einen normalen Ruhepuls zurückfällt. Ob der Ruhepuls aussagekräftig ist, wird diskutiert (MARTIN, 2012). Kritik hieran ist, dass sich die Symptome einer Atemsymptomatik häufig im Alter verschlechtern (OCHTERING et al. 2007), die einmalige Absolvierung im jungen Alter jedoch ausreichend ist. Auch ist das Testergebnis nicht objektiv, da die Außentemperatur keine Rolle bei der Testdurchführung spielt. Eine Steigerung der Außentemperatursteigerung hat jedoch hohen Einfluss auf die Kondition vieler kurzköpfiger Tiere hätte (RÖDLER, 2014).

Auf Grundlage der Ergebnisse der Untersuchungen von MARTIN seien vom VDH entsprechende Änderungen des Belastungstests entwickelt worden. Auf Seiten des VDH heißt es: "Hierzu zählen u.a. eine stärkere Gewichtung der Atemfrequenz in der Beurteilung sowie die Empfehlung einer erneuten Vorstellung der Hunde im Alter von 24 bzw. 36 Monaten. Der IKFB beabsichtigt darüber hinaus, die Zeitvorgabe von 11 auf 8 Minuten zu senken"

Im ersten Jahr der Einführung waren 5/15 Möpsen ausgezeichnete Zuchtmöpse nicht in der Lage den Test zu bestehen. Bei einer Untersuchung von MARTIN 2012 konnten 14 von 42 Möpsen (ein Drittel) den Test nach den Standards des Deutschen Mopsclub e.V nicht bestehen, der die Pulsfrequenz betrachtet. Unter Betrachtung der Atemfrequenz fiel über die Hälfte der getesteten Möpse durch.

Dr. Bodo Busch von der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) schlug in einem Vortrag zur Ethik der Tierzucht auf dem Leipziger Tierärztekongress im Januar 2016 folgende Maßnahmen zur Besserung der Situation in der Hundezucht vor:

„1. Überarbeitung aller Rassestandards mit dem Ziel der Abkehr von extremen Körpermerkmalen

2. Bildung einer interdisziplinären Kommission zur Erarbeitung und Kontrolle von Standards und Zuchttauglichkeitsprüfungen

3. Ermittlung der Frequenz von genetisch bedingten Erkrankungen in den einzelnen Rassen, wobei ein Meldesystem auf die Diagnostik spezialisierter Institutionen (Gesellschaft für Röntgendiagnostik genetisch beeinflusster Skeletterkrankungen bei Kleintieren e.V. (GRSK), Collegium cardiologicum (CC e.V.) sowie der Tierarztpraxen Grundlagen schaffen könnte

4. stärkere Nutzung von Gentests

5. Einschränkung der Inzucht

6. planmäßige Kreuzungszucht bei ausgewählten Rassen“

Auch müsse überlegt werden, wie man die 70 Prozent der jährlich in Deutschland verkauften Welpen kontrolliert, die nicht aus einer VDH-Zucht stammen. Jörg Bartscherer, der Geschäftsführer des VDH, sagte am 14.3.17 in einem Fachgespräch zu Qualzuchten in Berlin, dass laut einem Vergleich der bei Tasso registrierten Hunde, der Anteil der VDH-Rassehunde bei den Rassen Mops und Französische Bulldogge zurückginge. Nur etwa fünf Prozent der bei Tasso registrierten Französischen Bulldoggen und nur noch etwa 15 Prozent der Möpse gingen auf eine VDH-Zucht zurück.