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Equines Herpesvirus (EHV)

Allgemeine Informationen zu equinen Herpesviren (EHV)

Klassifikation des equinen Herpesvirus

Bei dem equinen Herpesvirus handelt es sich um ein behülltes, etwa 150 nm großes, doppelsträngiges DNA-Virus der Familie Herpesviridae.

Die equinen Herpesviren stammen aus zwei Unterfamilien (Alpha – und Gammaherpesvirinae).

Siehe Bild 1

Herpesinfektionen sind in der Pferdepopulation weit verbreitet. Auch in klinisch gesunden, nicht geimpften Beständen, werden kaum seronegative Tiere gefunden5. Von wirtschaftlicher Bedeutung sind aber nur Infektionen mit EHV 1 und EHV 4. Beide sind seit mindestens 60 Jahren bekannt. Zumindest gilt das für die respiratorische Krankheitsform sowie für das abortigene Potential13. Die große Bedeutung wurde erneut durch den verstärkten Infektionsdruck im Winter 2002/2003 deutlich, bei dem es zu mehreren tödlichen EHV 1-bedingten neurologischen Fällen kam1,17.

Der Subtyp 1 des equinen Herpesvirus (EHV 1) verursacht zusammen mit dem Subtyp 4 (EHV 4) die größten wirtschaftlichen Schäden. Während das EHV 4, das auch Rhinopneumonitisvirus genannt wird, überwiegend für Erkrankungen des oberen Respirationstrakts verantwortlich ist, verursacht EHV 1 vor allem Aborte und neurologische Erkrankungen, die mit Lähmungen und Paralysen und zum Teil mit dem Tod des Tieres verbunden sind. Insbesondere das neurologische Krankheitsbild gewinnt zunehmend an Bedeutung10,13. EHV 1 kann aber auch respiratorische Symptome beim Pferd hervorrufen und tritt häufig gemeinsam mit EHV 4 auf.

EHV 1 ist in Deutschland für etwa 10 Prozent aller, zum Teil seuchenhaft auftretender Aborte und Todgeburten verantwortlich. Nur selten ist EHV 4 die Ursache für das Absterben der Frucht oder neurologische Erkrankungen bei Pferden.

Der Subtyp EHV 2 verursacht bei Equiden vereinzelte Horn- und Bindehautentzündungen. Der Subtyp EHV 3 ist für das so genannte Deckexanthem der Stuten verantwortlich.

Equine Herpesviren sind streng wirtsspezifisch und führen häufig zu latenten und persistierenden Infektionen ohne klinische Symptome. Auch der Antikörpernachweis ist häufig nicht möglich. Dennoch sind auch in gesunden, nicht geimpften Beständen, kaum seronegative Pferde nachweisbar5. Darüber hinaus kann auch bei einem seronegativen Ergebnis eine Infektion nicht zwangsläufig ausgeschlossen werden5. Der einzig sichere Nachweis ist der direkte Virusnachweis im Blut oder im Gewebe mittels PCR, ELISA oder Restriktionsanalyse.

Liegt eine latente oder persistierende Herpesinfektion vor, können die in den Neuronen, Ganglien oder im lymphatischen Gewebe2a ruhenden Viren durch umweltbedingte belastende Faktoren oder andere Stressoren jederzeit aktiviert bzw. reaktiviert werden. Dadurch kann es zum Auftreten klinischer Symptome kommen. In jedem Fall wird das betroffene Pferd dadurch wieder zu einem starken Virusausscheider, was sich wiederum ungünstig auf den Infektionsdruck auswirkt.

Infektionen mit EHV 1 und EHV 4 erfolgen über den Respirationstrakt. Anschließend findet die erste Virusvermehrung in den Epithelzellen des Atmungstraktes statt. Während EHV 1 danach virämisch im Organismus verbreitet wird und stark endotheliotrop ist, verbleibt das EHV 4 meist in den Zellen des Respirationstraktes und den dazugehörigen Lymphknoten.

Für den Virusnachweis beim Vorliegen der respiratorischen Form eignet sich am besten Nasenrachenexsudat, das möglichst früh in der fieberhaften Phase mit Nasenrachentupfern entnommen wird13.

Bei EHV 1-bedingten Aborten kann das Virus in der Regel aus Leber, Lunge, Milz und Thymus des Föten isoliert werden. Hierbei ist wichtig, dass auch die Plazenta untersucht wird, da bei EHV 1-Aborten auch virusnegative Föten angetroffen werden13. Auch die Fruchtwässer sind stark mit dem Erreger kontaminiert.

Bei neurologischen Fällen kann das Virus ante-mortem oft aus den Leukozyten des peripheren Blutes nachgewiesen werden. Dazu werden 10 bis 20 ml antikoaguliertes Blut (EDTA, Heparin) benötigt, die möglichst rasch und gekühlt (nicht gefroren) ins Labor gelangen sollten. Die Isolation des Virus bei neurologischen Symptomen post-mortem aus Gehrin und Rückenmark ist dagegen oft erfolglos13.
Die Immunität, die sich im Anschluss an eine Infektion mit EHV 1 bzw. EHV 4 vorübergehend aufbaut, hält nur kurze Zeit an. Daher können sich insbesondere junge Pferde innerhalb von wenigen Wochen mehrmals reinfizieren. Bereits 1971 waren die Autoren Bitsch und Dan (1971) der Meinung, dass es sich bei der Mehrzahl der EHV-1 induzierten neurologischen Störungen um Reinfektionen und nur in Ausnahmefällen um Neuinfektionen handelt4.
Eine Infektion mit equinen Herpesviren ist jedoch altersunabhängig und damit jederzeit möglich. Jedoch infizieren sich die meisten Pferde nach Wilson11 während des ersten Lebensjahres.

Allerdings bewirkt eine natürlichen Infektion mit EHV 1 eine drastisch reduzierte Virusausscheidung und eine verkürzte virämische Phase4. Das Immunsystem wird von allen Subtypen am stärksten von einer EHV 1-Infektion stimuliert4,9.