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Equines Herpesvirus (EHV)

EHV-bedingte Aborte

Das EHV 1 ist vor allem maßgeblich für Aborte im letzten Drittel der Trächtigkeit und für Todgeburten bei Stuten verantwortlich. Deshalb wird es auch Stutenabortvirus genannt. Etwa 10 Prozent aller Aborte sind durch Infektionen mit dem equinen Herpesvirus Subtyp 1 bedingt.

EHV 1-bedingte Aborte können sporadisch auftreten oder aber einen seuchenhaften Verlauf aufweisen. Gelegentlich treten regelrechte Abort-Stürme mit großen Fohlenverlusten auf.17 Die meisten Abortfälle werden im Herbst und Winter beobachtet, da hier eine direkte Beziehung zur Abfohlzeit besteht.6 Darüber hinaus kann eine Infektion mit EHV 1 aber auch neurologische und respiratorische Erkrankungen hervorrufen.2a,3

Bevor die obligatorische EHV 1-Impfung in der deutschen Vollblutzucht eingeführt wurde, war EHV 1 über Jahrzehnte die häufigste infektiöse Abortursache. Durch die Impfungen traten EHV 1-bedingte Aborte signifikant gegenüber bakteriellen Erregern (Streptokokken, E.coli) zurück. Des weitern ist das seuchenhafte Abortgeschehen stark in den Hintergrund getreten und es kommen in der Regel nur noch vereinzelt Aborte vor.15

Etwa 65 Prozent der EHV 1-bedingten Aborte ereignen sich während des 8. Trächtigkeitsmonats, 35 Prozent im 9. bis 10. Monat. Gelegentlich kommt es auch zur Geburt lebensschwacher Fohlen, die in der Regel während der ersten Woche sterben.7 Die Fohlen sind schwach, leiden an einem Ikterus und verenden meist an einem respiratorischen Versagen.1

Die EHV 1-Infektion der Stute erfolgt über die Atemwege. Es folgt eine Inkubationszeit von 3-4 Monaten, währenddessen die erste Virusvermehrung in den Epithelzellen stattfindet. Daran schließt sich eine leukozytengebundene Virämie an.2b Auf diesem Wege gelangt das stark endotheliotrope Virus in die Endothelzellen der Blut- und Lymphgefäße. In den Endothelzellen kommt es zu einer zellassoziierten Virämie in der Gebärmutter, die zu entzündlichen Prozessen (Plazentitis) oder zu anderen irreversiblen Schädigung von Uterus, Plazenta und Frucht führt.17 Der Abort ist die Folge. Der Erreger vermehrt sich dabei stark im fötalen Gewebe, insbesondere in Leber, Milz und Lunge. Als Folge der virusbedingten Veränderungen stirbt die Frucht ab und wird ausgestoßen.
Allerdings abortiert nicht jede EHV 1-virämische Stute. Zeitpunkt, Immunitätslage, Hormonstatus und Stressfaktoren scheinen eine große Rolle zu spielen.6

Bei der Obduktion der toten Fohlen sind makroskopisch häufig subpleurale, subepitheliale und/oder subendokardiale petechiale Blutungen sichtbar. Plazenta und Nieren sind stark hyperämisch.

Die Lunge weist histologisch nicht selten ein interstitielles Ödem mit herdförmigen Blutungen auf. Oft sind Epithelschuppen im Alveolarlumen infolge Fruchtwasseraspiration nachweisbar. Die Histologie der Leber ergibt meist mehrere reaktionslose Gruppennekrosen. In der Milz finden sich Lymphozytennekrosen.

Fruchtwässer und Fruchthüllen enthalten große Mengen Virus. Deshalb ist eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Stallungen und Weiden nach einem Abort ausgesprochen wichtig.

Der direkte Virusnachweis erfolgt über die Virusanzüchtung in geeigneten Zellkulturen mit anschließender serologischer Überprüfung und mittels Immunfluoreszenz (IF) an Organproben oder mittels PCR. Der indirekte Virusnachweis mit Serumpaaren wird im Virusneutralisationtest (VNT) durchgeführt.9,16 Die EHV-Subtypen können anhand der Größe der DNA-Banden charakterisiert werden9.