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Equines Herpesvirus (EHV)

EHV-bedingte neurologische Störungen

Neben Fortpflanzungsstörungen und respiratorischen Erkrankungen verursachen equine Herpesviren (EHV) auch gelegentlich neurologische Erkrankungen, die unter Umständen tödlich enden können. In der Regel werden diese Störungen durch den Subtyp EHV 1 hervorgerufen. Nur in Ausnahmefälle ist EHV 4 für das Krankheitsbild der Enzephalomyelitis (Myeloencephalitis) verantwortlich.3 Manchmal finden sich Mischinfektionen beider Subtypen.

EHV-bedingte neurologische Erkrankung können sporadisch oder epizootisch auftreten. Stierstorfer et al. (2002) gehen davon aus, dass diese infektionsbedingten Störungen bei Pferden in Deutschland häufiger vorkommen als sie dokumentiert werden.7

Häufig, jedoch nicht zwingend, treten neurologische Störungen erst im Anschluss an respiratorische Symptome oder einen Abort auf. Die Diagnose wird aber dennoch überwiegend anhand der klinischen Symptome und kaum anhand der Ätiologie gestellt. Nach Thein (2000) betrifft die zentralnervöse Form häufiger Pferde, die ungeimpft sind. Herpesviren-bedingte neurologische Störungen sind aber auch schon bei geimpften Pferden aufgetreten. Derartige Impfdurchbrüche sind sowohl bei Pferden, die mit lebend attenuiertem Impfstoff immunisiert wurden als auch bei Tieren, die Impfstoffe auf der Basis inaktivierter EHV-1, bzw. EHV-1 und EHV-4 erhalten hatten, beobachtet worden.13

Die klinischen Symptome der ZNS-Form können sehr unterschiedlich sein. Nicht selten tritt am Anfang eine akute, starke Lahmheit auf, die in eine Ataxie mit Paralyse und Festliegen übergehen kann. Außerdem kann eine Schweif- und Blasenparalyse auftreten. Diese Symptomatik wir als "Schlaganfall" bezeichnet. Zwar kann auch ein solcher "Schlaganfall" wieder zur restitutio ad integrum gelangen, doch ist auch ein tödliches Ende bzw. ein Töten des Tieres aus tierschutzrechtlichen Gründen nicht selten.17

Die Pathogenese der EHV-induzierten neurologischen Erkrankungen ist noch nicht restlos geklärt.11 Doch infizieren sich die Pferde in der Regel während des ersten Lebensjahres11 über den Respirationstrakt sowohl mit EHV 1 als auch mit EHV 4. Beim Auftreten herpesbedingter neurologischer Störung handelt es sich meist nicht um eine Neuinfektion, sondern um eine Reinfektion mit EHV 14 bzw. um das Reaktivieren einer latenten bzw. persistierenden Infektion10.

Vermutlich gelangt das Virus im Anschluss an die leukozytengebundene Virämie in die Endothelzellen der Blutgefäße, die das zentrale Nervensystem versorgen. Hier entstehen Defekte in den Gefäßwänden und im angrenzenden Gewebe. Aufgrund immunologischer Reaktionen entstehen dann multiple Entzündungsherde (Vaskulitissyndrom). Durch die Entzündungen der Gefäßwände bilden sich Thromben. Diese führen zu einer reduzierten oder sogar unterbundenen Versorgung des umliegenden Gewebes. Als Folge der Unterversorgung und der sich daraus ergebenden verschlechterten Stoffwechsellage treten hypoxische Degenerationen auf. Die Gefäßpermeabilität wird erhöht und es kommt zu Blutungen. Diese sind häufig auch in der Maulschleimhaut erkennbar. Finden Blutungen im Nervengewebe des Rückenmarks statt, kommt es zu einer Kompression des Rückenmarks und dadurch zunächst zu Ataxien und später auch zu Lähmungserscheinungen (Paraplegie oder gar Paralyse).5

Die Behandlungsmöglichkeiten von herpesbedingten neurologischen Störungen sind rein symptomatischer Natur. Je nach dem Zustand des Tieres ist eine parenterale Rehydratation und Ernährung, die Gabe eines Breitspektrumantibiotikum sowie gegebenenfalls von DMSO oder NSAID und Acyclovir angezeigt.17 Außerdem müssen Festlieger weich gelagert werden. Bei einer Paralyse von Schweif- und Blase ist eine Entleerung sowohl des Rektums als auch die Blase alle 2-3 Stunden notwendig.17

Als Prophylaxe sollte der gesamte Bestand regelmäßig gegen EHV 1 und EHV 4 geimpft werden5,17. Darüber hinaus tragen gute Hygienemaßnahmen und Haltungsbedingungen sowie ein systematisches Management dazu bei, den Infektionsdruck in einem Bestand zu senken und das Risiko des Ausbrechens klinischer Symptome für das Einzelpferd zu verringern.5,17 Besonders die regelmäßige Bestandsimpfung verringert die Virusausscheidung deutlich5.