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Equines Herpesvirus (EHV)

Impfprophylaxe für EHV

Allgemeiner Aufbau eines Herpesvirus

Eine Impfprophylaxe gegen das equine Herpesvirus kann nur dann erfolgreich durchgeführt werden, wenn alle Pferde im Bestand in regelmäßigen Abständen geimpft werden. Eine regelmäßige Immunisierung des gesamten Bestandes gegen EHV 1 und EHV 4 hat das Ziel, den Infektionsdruck zu verringern, da geimpfte Pferde im Gegensatz zu nicht geimpften wesentlich weniger Viren ausscheiden.5 Dadurch verringert sich gleichsam die Gefahr einer Erkrankung, die mit klinischen Symptomen einhergeht, die eine medikamentelle Behandlung erforderlich machen.

Je mehr Tiere in einem Bestand erkranken, desto größer werden die Behandlungskosten, ganz abgesehen von dem mit einer Erkrankung einhergehenden Nutzungsausfall und den Gefahren einer langfristigen bzw. lebenslangen Leistungsbeeinträchtigung sowie von Aborten oder dem Auftreten von neurologischen Störungen. Aus ökonomischer Sicht gesehen ist es daher günstiger, den gesamten Bestand regelmäßig gegen EHV zu impfen, als auch nur ein paar Tiere mit Atemwegserkrankungen behandeln zu lassen, Abort bedingte Verluste hinzunehmen oder Tiere aufgrund eines so genannten "Schlaganfalls" zu verlieren.

Die Impfprophylaxe sollte stets durch Managementmaßnahmen wie die Bildung von Altersgruppen und Maßnahmen zur Stressprävention unterstützt werden.1,17

Anforderungen an die Impfstoffe
Heutzutage werden in der Regel bivalente Vakzinen (EHV 1 und EHV 4 in Kombination) als Schutzimpfungen verwendet, da ein inaktivierter EHV 1-Impfstoff verstärkt die Bildung von stammspezifischen Antikörper induziert, ein Impfstoff auf EHV 4-Basis aber stärker die Produktion von kreuzreaktiven Antikörpern anregt. Dadurch soll ein typenübergreifender Infektionsschutz aufgebaut werden.

Das Ziel der Immunprophylaxe ist es, sowohl die zelluläre als auch die humorale Immunabwehr gegen EHV 1 und EHV 4 so zu stimulieren, dass es nicht zu klinischen Symptomen kommt. Die Immunprophylaxe muss außerdem dafür sorgen, dass okkultes Virus nicht aktiv werden kann.

EHV-Impfstoffe (z.B. Resequin NN plus) sollten darüber hinaus im Idealfall folgende Anforderungen erfüllen:
  • Sie dürfen zum einen nicht zur Ausbildung einer Latenz bzw. Persistenz von attenuierten Impfstämmen führen und
  • zum anderen sollten sie die komplexe Immunabwehr und die Ausbildung einer zellvermittelten Immunität unterstützen.

Die Verabreichung von inaktivierten Erregern verhindert die Ausbildung einer Latenz bzw. Persistenz von attenuierten Impfstämmen. Dagegen wird die zellvermittelte Immunität und die komplexe Immunabwehr stärker durch einen EHV 1- Lebendimpfstoff gefördert.5 Der EHV 1-Lebendimpfstoff (z.B. Prevaccinol®) kann auch zur Frühimmunisierung von Neugeborenen oder zur Notfallimpfung von Tieren in Beständen mit einem akuten Infektions- bzw. Erkrankungsrisiko erfolgreich eingesetzt werden.

Bei inaktivierten Kombinationsvakzinen (z.B. Resequin® NN plus) steht meist der Schutz vor Erkrankungen des oberen Respirationstrakts (Rhinopneumonitiskomplex) im Vordergrund.5 Allerdings schützt die durch eine Vakzine hervorgerufene Immunität die Pferde nur wenige Monate vor einer Reinfektion mit dem homologen Erreger5. Daher wird eine regelmäßige Auffrischimpfung (z.B. mit Resequin® NN plus) gegen EHV empfohlen.

Impfschema
Alle Impfpläne beruhen auf immunologischen Grundlagen. Hier sei die Halbwertzeit maternaler Antikörper beim Fohlen, der maternale Impfstatus sowie die Muttertierimpfung genannt. Andererseits gibt es auch spezifische Besonderheiten, die von der jeweiligen Vakzine abhängen und bei der Erstellung eines Impfplans beachtet werden müssen. Danach richten sich der Zeitpunkt der Grundimmunisierung sowie die Impfintervalle. Zu lange Impfintervalle können zu einer immunologischen Lücke führen und großangelegte Impfprogramme gefährden oder scheitern lassen.

Eine zu früh durchgeführte aktive Immunisierung von Fohlen regelmäßig geimpfter Muttertiere kann zur Folge haben, dass der gewünschte Immunstimulus durch eine Interferenz mit den Antikörpern ausbleibt. Denn besitzt das Fohlen noch maternale Antikörper zum Zeitpunkt der aktiven Immunisierung (als Antigen wirksam), kann es zu einem Abfangen der Antigene durch die Antikörper kommen, ohne dass es zu einer Immunantwort mit erneuter Ausbildung von Gedächtniszellen kommt. Dadurch wird verhindert, dass der Impfschutz des Tieres verlängert wird. Brunner et al. (1998) empfehlen eine Grundimmunisierung ab einem Alter von drei Monaten.5 Das Mindestalter der Fohlen für die Erstimpfung ist von Präparat zu Präparat verschieden. Der Abstand zur zweiten Impfung ist ebenfalls vom verwendeten Impfstoff abhängig.

Tabelle 1 zeigt die Zeitpunkte für die Grundimmunisierung sowie die Impfintervalle für inaktivierte EHV 1 und EHV 4 Impfstoffe sowie für einen EHV 1-Lebendimpfstoff. Die Vorteile beider Arten von zur Verfügung stehender Schutzimpfungen wurden bereits weiter oben erläutert.

Zeitpunkt Inaktiviert (EHV 1/EHV 4) Lebend (EHV 1)
1. Impfung 3.-6. Lebensmonat 3.-4. Lebensmonat
2. Impfung 1-2 Monate nach Erstimpfung 3 Monate nach Erstimpfung
3. Impfung 4-6 Monate nach Zweitimpfung entfällt
Wdh-Impfung Alle 6 Monate Alle 6-9 Monate

Bei tragenden Stuten wird eine Vakzination im 3. bzw. 4. und zwischen dem 7. und 9. Trächtigkeitsmonat empfohlen.5 Wird eine derartige Immunisierung der Stute eingehalten, ist eine Fohlenschutzimpfung erst mit sechs Monaten notwendig.