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Heimtierhaltung

Kaninchenhaltung

Hauskaninchen

Kaninchen stammen ursprünglich aus Südwesteuropa. Sie sind dämmerungs- bis tagaktive Fluchttiere, die unter natürlichen Bedingungen im Rudel in Erdbauen leben. Typisch für ein Fluchttier ist der enorme Bewegungsdrang und das explosionsartige Durchstarten und Hakenschlagen bei der Flucht. Die Lebenserwartung eines Kaninchens beträgt 8-12 Jahre. Der Darmtrakt von Kaninchen ist auf die Verwertung von Rohfaser ausgerichtet.

Gruppenhaltung
Kaninchen sind von Natur aus gesellige Tiere, daher sollten sie auch als Heimtier nicht alleine, sondern in der Gruppe gehalten werden. Geeignet sind Gruppen aus mehreren kastrierten Böcken bzw. einem oder mehreren miteinander vertrauten Weibchen (Wurfgeschwister) zusammen mit einem kastrierten Bock. Niemals sollten 2 unkastrierte Böcke zusammen gehalten werden, da sich diese nicht in einem Revier dulden. Auch die Vergesellschaftung mit Meerschweinchen stellt keine Alternative dar, da sich diese beiden Tierarten zu fremd in Körpersprache und Verhalten sind. Dies führt zur sozialen Verarmung der Tiere und häufig auch zu Aggressionen untereinander mit schwerwiegenden Verletzungen. Als Ausnahme ist die Haltung mehrerer Meerschweinchen zusammen mit mehreren Kaninchen in einem großen Gehege möglich.

Käfig
Der Käfig sollte eine Mindestgröße von 150 (B) x 80 (T) x 60 (H) cm haben, der den Tieren 3 Hoppelsprünge und das vollständige Aufrichten ermöglicht. Der Käfig sollte zwei Ebenen besitzen, um den Bewegungsraum zu vergrößern. Als Einstreu sollten staub- und schimmelfreies Stroh, unbehandelte staubarme Holzspäne (nicht von Spanplatten!), Strohpellets oder Materialen aus Hanf- o.a. Fasern dienen. Die Tiere bevorzugen erhöhte Ruheplätze. Draht- oder Gitterböden ohne Einstreu sind tierschutzwidrig und sollten nicht verwendet werden.
Der Käfig sollte mit einem Schlafhaus (40 x 25 x 25 cm/Tier), Trinkflasche, Fressnapf und Heuraufe ausgestattet sein.
Kotecke und Futternapf sollten täglich, der Käfig einmal pro Woche komplett gereinigt werden.

Standort
Kaninchen brauchen einen ruhigen, zugfreien, kühlen Ort, wo sie Tageslicht, jedoch keine direkte Sonneneinstrahlung abbekommen. Lärm bedeutet Stress. Deshalb sollte der Käfig nicht neben der Stereoanlage o.ä. stehen. Außerdem ist ein Platz, an dem bis in die Nacht das Licht brennt oder der Fernseher flimmert, nicht geeignet. Da Kaninchen dämmerungsaktiv sind, ist das Kinderzimmer nicht wirklich der richtige Ort für den Kaninchenkäfig.

Damit die Tiere ihren Erkundungs- und Bewegungsbedarf ausleben können, sollte ihnen täglich beaufsichtigter Auslauf (Vorsicht: Benagen von Stromkabeln, Zimmerpflanzen bzw. Absturzgefahr) ermöglicht werden.

Die ideale Kaninchen-Haltung ist die Gruppenhaltung in einer Außenanlage mit Auslauf und Grabmöglichkeiten, mit Sicherung gegen Untergraben und vollständiger Abdeckung gegen Feinde (Vögel, Marder). Eine Überwinterung im Freien ist möglich, wenn Sie einen zugfreien und trocken Käfig mit einem geeigneten Unterschlupf anbieten.

Ein ständiger, kurzfristiger Wechsel zwischen drinnen und draußen sollte dagegen vermieden werden, da Kaninchen sowohl auf Temperaturveränderungen als auch auf plötzliche Futterumstellung empfindlich reagieren.

Fütterung
Kaninchen müssen täglich Futter aufnehmen, da sonst schwerwiegende Verdauungsstörungen auftreten können. Ein zu hoher Energiegehalt im Futter führt zur Verfettung, zu geringer Rohfasergehalt führt zu Verdauungsstörungen und Zahnproblemen. Zu viel Calcium kann zu Harnsteinen führen. Deshalb ist bei der Fütterung folgendes zu beachten:

  • Heu als Hauptfutter zur freien Verfügung aus der Raufe (Hygiene) ist wichtig für die Darmflora, zum Abrieb der Zähne und zur Beschäftigung
  • Nehmen Kaninchen nicht ausreichend Rohfaser auf, kann es zum Fellfressen kommen.
  • Ein- bis Zweimal täglich Frischfutter (Obst, Gemüse), Vorsicht mit blähendem Futter (z.B: Klee, Kohl); Auf Hygiene achten, sauber, trocken, nicht schimmlig!
  • Kaninchen vertragen keine plötzliche Futterumstellung!!
  • Täglich frisches Trinkwasser (Bedarf ca. 0,5 Liter pro Tier und Tag)
  • Von fertigen Futtermischungen nur ein bis zwei Esslöffel pro Tier und Tag füttern, weil diese zu viel Stärke und zu wenig Rohfaser enthalten
  • Zur Befriedigung des Nagetriebs können ungespritzte Äste (Kernobst, Weide, Buche) angeboten werden. Brot enthält viele Kalorien und kann leicht schimmeln, deshalb nur in Maßen und mit Vorsicht.
  • Grünrollis, Milch- oder Joghurtdrops enthalten zu viel Calcium, als Leckerlies sind Gemüsestücke wesentlich besser geeignet.
  • Das Fressen von Kot ist bei Kaninchen normal. Über den Kot nehmen sie u.a. Vitamine und Aminosäuren auf.



Pflege
Eine gute Pflege ist für die Gesundheit wichtig

    Kontrollieren Sie die Tiere mindestens einmal täglich. Beachten Sie dabei, ob der Kot fest und geformt ist, Augen, Ohren, Nase und der Analbereich sollten frei von Verschmutzungen sein. Fell, Haut und Krallen sollten unverletzt und sauber sein.
  • Insbesondere bei der Haltung mehrerer Kaninchen empfiehlt es sich, die Tiere einmal in der Woche zu wiegen, da die Gewichtsabnahme oft das erste und einzige deutliche Anzeichen für eine Erkrankung ist.
  • Auch Kaninchen, die im Haus gehalten werden, sollten gegen Myxomatose und RHD geimpft werden, da diese Krankheiten über stechende Insekten und durch Futter übertragen werden können.
  • Die Krallen sollten ungefähr zweimal im Jahr gekürzt werden. Wenn Ihnen das Risiko einer Verletzung zu groß ist, hilft Ihnen Ihre Tierartzpraxis.
  • Langhaarige Rassen sind besonders pflegebedürftig (z.B. Angorakaninchen müssen regelmäßig gekämmt und ca. 4x jährlich geschoren werden.



Krankheiten Natürlich können Kaninchen an einer Vielzahl von Erkrankungen leiden. Hier sind zum Beispiel Erkrankungen des Verdauungsapparates zu nennen. Das fängt bei den Zähnen an und endet bei Erkrankungen des Blinddarms. In der Regel sind die Ursachen fütterungsbedingt.
Weiterhin sollen hier zwei unheilbare und damit immer tödlich verlaufende Viruskrankheiten genannte werden: Myxomatose und die sogenannte Chinaseuche, auch als Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) bezeichnet. In beiden Fällen werden die Viren sowohl durch direkten Kontakt, als auch indirekt durch Futter, Kleidung, Zubehör sowie durch Stechmücken und Kaninchenflöhe übertragen. Die einzige Möglichkeit, Kaninchen zuverlässig vor diesen Erkrankungen zu schützen, ist die Impfung. Gegen beide Viren steht ein Impfstoff zur Verfügung, der je nach Hersteller (MSD) sogar 12 Monate lang eine wirksame Immunität nach nur einer Impfung hervorruft.
Mehr Informationen dazu unter www.impfung-kaninchen.de.

Zucht
Kaninchen züchten sollte nur, wer die erforderlichen Kenntnisse hat, und nur, wenn die Haltungsbedingungen dafür geeignet und Abnehmer vorhanden sind!

Mit der Anschaffung eines Haustieres haben Sie eine große Verantwortung übernommen, bitte infomieren Sie sich deshalb ausführlich über die Bedürfnisse Ihres Haustieres. Für alle Tierarten gibt es zu diesem Zweck umfangreiche Literatur.

Eignung als Heimtier
Kaninchen sind Fluchtiere, und nicht zum Spiel- und Streicheltier geeignet. Man muss man ruhig und besonnen mit ihnen umgehen. Um ein Kaninchen hoch zu heben, fasst eine Hand ruhig Ohren und Nackenfell, mit der anderen Hand wird der Körper von unten unterstützt. Sie sollten nicht hastig von oben gegriffen werden, da dies einen Fluchtreflex auslösen kann. Es sollte darauf geachtet werden, dass insbesondere Kinder dies beachten und Ruhezeiten für die Tiere einhalten, da Kaninchen sonst aggressiv werden können.

Worauf beim Kauf geachtet werden sollte

  • Damit Sie ein gesundes Tier kaufen, achten Sie darauf, dass Haut, Haare und Krallen sauber und unverletzt sind. Augen, Ohren, Nase und Anus sollen frei von Verschmutzungen sein, die Tiere sollten nicht niesen. Wenn möglich, achten Sie auch auf eine korrekte Stellung der Zähne.
  • Vermeiden Sie den Kauf von Extremzüchtungen, wie z.B. extremen Zwergen oder „Löwenköpfen“ (Zahnfehlstellungen) oder Albinos (Lichtempfindlichkeit).
  • Und denken Sie bitte auch daran, dass in den Tierheimen meist zahllose Kaninchen auf neue Besitzer warten.