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Heimtierhaltung

Schlangen

Schlange

Zur Zeit sind ungefähr 2.500 Schlangenarten in etwa 430 Gattungen bekannt, die sich in ihren Lebensräumen und Lebensweisen stark unterscheiden. Aus diesem Grund sind Kenntnisse über die Herkunftsbiotope und die artspezifische Verhaltensweise für die Schlangenhaltung im Terrarium unbedingt notwendig (terraristische Spezialliteratur). Die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien finden Sie in einem Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) von 1997.

Vergesellschaftung
Die meisten Schlangen (Ausnahmen: Corallus, Chrondropython) können mit gleich großen Artgenossen in einem Terrarium zusammen gehalten werden. Eine weitere Ausnahme sind schlangenfressende Schlangen (z.B. Königsnattern), die unbedingt einzeln gehalten werden sollten. Für die Fütterung sollten auch friedliche Schlangen getrennt werden, da das gleichzeitigen Erfassen eines Futtertieres versehentlich zum Verschlingen einer anderen Schlange führen kann. Von einer Vergesellschaftung mit anderen Reptilien sollte abgesehen werden, da diese für Schlangen tödliche Krankheitserreger (Amöben) übertragen können.

Unterbringung
Die Terrariengröße hängt von der Bewegungsaktivität der Schlangenart ab. Schlangen mit einer geringen Bewegungsaktivität (z.B. Riesenschlangen) können in Terrarien untergebracht werden, die im Verhältnis zu ihrer Körpergröße relativ klein sind. Sehr bewegungsfreudige Schlangen (z.B. viele tagaktive Nattern) haben als aktive Jäger einen größeren Raumbedarf. Allgemein gilt, dass baumbewohnende Schlangen ein hohes Terrarium mit geringer Grundfläche und bodenbewohnende Arten eine große Grundfläche bei geringer Höhe benötigen. Terrarien können aus verschiedenen Materialien hergestellt werden. Für die Haltung von Schlangen, die eine hohe Luftfeuchtigkeit brauchen, haben sich Glasterrarien bewährt. Die Mindestgrößen werden in dem Gutachten des BMEL aufgelistet. Zur Sicherheit sollten Terrarien insbesondere von großen Schlangen mit einem Stangenschloss gegen das Entweichen der Tiere gesichert werden.

Ausstattung
Durch eine gute Strukturierung des Terrariums, kann u.U. eine relativ kleine Grundfläche ausgeglichen werden.

  • Bodenbelag, je nach Schlangenart und -–größe: Kleintierstreu (bei Schlangen aus ariden Gebieten, nicht bei Tieren aus Feuchtgebieten), Kunstrasen (Baumschlangen, die selten auf den Boden kommen z.B. Chondropythons), Kokosfasern, Rindenmulch, Buchenholzstückchen (Vorsicht: schimmelt bei hoher Luftfeuchtigkeit), Erde bzw. Sand (bei subterrestrisch lebenden Schlangen z.B. Erdboas); Keinen Vogelsand (scharfkantige Quarzstückchen, zu fein) verwenden. Die Wahl des richtigen Bodenbelags ist allgemein ein umstrittenes Thema. Es gilt zu vermeiden, dass Bodenbelag an den Schleimhäuten kleben kann oder versehentlich gefressen wird. Letzteres kann auch durch Fütterung in einem separaten Terrarium ohne Bodengrund vermieden werden.
  • Unterschlüpfe, Versteckmöglichkeiten (z.B. Tonröhren, Korkrinde), je nach Art und Größe der Schlange sehr vielgestaltig.
  • Klettermöglichkeiten (Ausnahme: ausschließlich subterrestrisch lebende Arten).



Temperatur

  • Temperaturgefälle im Terrarium, damit die Schlangen je nach Bedarf wärmere oder kühlere Plätze aufsuchen können.
  • Viele Schlangen benötigen eine Tag-Nacht-Absenkung, die über eine Zeitschaltuhr und Thermostate geregelt werden kann.
  • Die Temperaturen im Terrarium sollten sich nach denen im natürlichen Lebensraum richten. Hohe Temperaturen (z.B. 40°C für Wüstenbewohner) können mit HQL-Strahlern erreicht werden. Diese Temperaturen sind u.a. für die Verdauungsvorgänge der Tiere wichtig.
  • Heizvorrichtungen müssen unbedingt so angebracht werden, dass die Tiere keinen unmittelbaren Kontakt dazu haben können. Heizstrahler sollten mit einem Schutzkorb versehen und Heizmatten sowie –Kabel unter dem Terrarium verlegt werden.



Beleuchtung

  • Beleuchtung täglich etwa 12 Stunden
  • Überwiegend dämmerungs- bzw. nachtaktive Schlangen benötigen kein UV-Licht
  • Für bestimmte tagaktive Schlangen (z.B. Strumpfbandnattern) wird eine Beleuchtung mit einem gewissen UV-Anteil empfohlen.
  • Bewährt hat sich die Osram Ultra Vita Lux-Lampe mit 300 W (20 min. täglich mit 80-100 cm Abstand) und die Leuchtstoffröhre „Reptisun® UVB 5.0“ (12 Stunden pro Tag). Leuchtstoffröhren müssen alle 6 Monate ausgetauscht werden, da der UV-Anteil dann praktisch gegen Null geht.
  • Zwischen UV-Strahler und Schlange darf sich kein Glas befinden, da dies die UV-Strahlung absorbiert.



Luftfeuchtigkeit
Die Luftfeuchtigkeit muss der im natürlichen Lebensraum der Schlangen angepasst werden. Regenwaldbewohner brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit (über 80%), Bewohner von Wüsten und Steppen dagegen ein entsprechend trockenes Terrarium. Eine hohe Luftfeuchtigkeit können Sie mit einem Ultraschallvernebler, regelmäßigem Sprühen oder einem großen beheizten Wasserbecken im Terrarium erzielen. Aber auch in trockenen Terrarien (Wüstenbewohner) sollte morgens regelmäßig Wasser versprüht werden, sowie ein feuchter Platz (z.B. Plastikbox mit feuchtem Moos) und ein Trinkgefäß, das auch als Bad genutzt werden kann, angeboten werden. Schlangen suchen gelegentlich, insbesondere vor der Häutung, gerne solche Plätze auf.

Fütterung
Schlangen sind ausschließlich fleischfressend und jagen meist lebende Beutetiere. Da das Jagdverhalten häufig erst durch die Bewegung des Beutetieres ausgelöst wird, gelingt es oft nicht, Schlangen an tote Futtertiere zu gewöhnen. In solchen Fällen gehört die Verfütterung von artspezifischen lebenden Futtertieren zur artgemäßen Haltung von Schlangen. Eine zu reichliche Fütterung ist zu vermeiden, da dies in Verbindung mit der mangelnden Bewegung im Terrarium rasch zu einer Fettleber führt. Ansonsten ist die Fütterung von Schlangen relativ unproblematisch, wenn diese ganze Futtertiere erhalten. Bei Fischfressenden Schlangen (Strumpfband- und Wassernattern) sollte den Fischstückchen ein Vitaminpräparat mit Thiamin zugesetzt werden. Bei Riesenschlangen (v.a. Königpython) sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C über die Futtertiere (Fütterung mit frischem Grünfutter unmittelbar vor der Verfütterung) geachtet werden. Die Verfütterung von lebenden Tieren sollte nur unter Beobachtung erfolgen. Wird das Futtertier nicht innerhalb kurzer Zeit gefressen, sollte es wieder aus dem Terrarium entfernt werden, da diese sonst zu Verletzungen bei der Schlange führen können.

Häufige Erkrankungen

  • Verbrennungen kommen bei Schlangen sehr häufig vor, deshalb ist unbedingt darauf zu achten, dass sie nicht mit Heizvorrichtungen oder Lampen in Kontakt kommen können.
  • Zu niedrige Temperaturen oder Zugluft sind häufige Ursache für Lungenentzündungen und manchmal auch für Erbrechen.
  • Zu niedrige aber auch zu hohe Luftfeuchtigkeit kann zu Hautproblemen führen.



Beim Kauf beachten
Beachten Sie bitte unbedingt die Artenschutzbestimmungen (CITES)!!
Wird ein neues Tiere in einen bestehenden Bestand zugekauft, muss dieses zunächst immer in Quarantäne. Sonst können sich Krankheiten unter dem Einfluss des Sozialstresses beim Eingewöhnen rasch ausbreiten.
Da es gerade bei den Reptilien sehr wichtig ist, dass sich die Haltungsbedingungen an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere orientiert, sollten Sie sich vor dem Kauf ausführlich über die gewünschte Reptilienart und ihre Lebensansprüche informieren.

Eignung als Heimtier
Schlangen sollte nur halten, wer sich ausreichend über die Bedürfnisse dieser Tiere informiert hat und bereit ist, diese zu berücksichtigen. Die Giftschlangenhaltung von Privatleuten ist äußerst kritisch zu betrachten oder gar abzulehnen. Wenn, jedoch nur mit der notwendigen Genehmigung, Sachkunde, Erfahrung, Zuverlässigkeit und entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen (Räumliche Sicherheitsmaßnahmen, Antiserum und Notrufnummern vor Ort...)