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Wurmbefall beim Hund

Spulwürmer

Toxocara canis

Spulwurmbefall bei Welpen
Hundewelpen können sich u.a. pränatal mit Spulwurmlarven infizieren. Daher sind die meisten Würfe zu 100 Prozent mit dem Spulwurm Toxocara canis infiziert (Epe 2006). T. canis tritt am häufigsten bei Hunden im Alter von bis zu drei Monaten auf (58 Prozent) (Luty 2001). Aber auch im Kot von Junghunden bis zu einem Alter von 6 Monaten wurden in einer Untersuchung in 31,1 Prozent der Proben Eier von Toxocara canis gefunden (Heinrich-Blanché 1998). Mit zunehmendem Alter sinkt die Infektionshäufigkeit jedoch. In Deutschland sind laut einer Untersuchung von Barutzki (2003) über 22 Prozent der Endoparasiten-positven Hunde mit Toxocara canis infiziert. In der Schweiz sind es über 7 Prozent (Sager et al. 2006).

Außerdem fand Rubel et al. (2003) heraus, dass Infektionen bei Welpen in Familien mit niedrigem Einkommen sieben mal öfter als bei Welpen aus Haushalten mit höherem Einkommen vorkommen.

Klinische Symptome
Hundewelpen können insbesondere durch wandernde Larven des Spulwurms Toxocara canis und Hakenwürmern (Ancylostoma caninum, Uncinaria stenocephala) schwer erkranken (Pneumonie, Husten, Nasenausfluss). In Folge eines starken Darmbefalls können bei Welpen ab der zweiten Lebenswoche ein gestörtes Allgemeinbefinden, Erbrechen, intermittierender, schleimiger und teilweise blutiger Durchfall, ein aufgeblähter und druckempfindlicher Bauch (Wurmbauch), Koliken und wiederkehrendes Fieber beobachtet werden. Häufig leiden die Tiere auch an einem Blut-, Eiweiß- und Nährstoffmangel, der zur Abmagerung und zu Entwicklungsstörungen führt. Das Haarkleid wird struppig und glanzlos. Es können auch nervöse Störungen auftreten. Zu Todesfällen kommt es meist bereits in der zweiten und dritten Lebenswoche (Eckert 2000).

Infektionswege
Die meisten Welpen kommen sogar schon mit einer Toxocara-Infektion auf die Welt (Abbott und Dent 1998, Epe 2006). Sie infizieren sich über die Muttermilch oder pränatal. Das liegt daran, dass die meisten Hündinnen mit ruhenden Somatische Larvenstadien (Hypobiose) im Gewebe infiziert sind. Einige dieser so genannten hypobiotischen Larven werden um den 40. Trächtigkeitstag durch den veränderten Hormonstatus aktiviert (Abbott und Dent 1998, Stoye 1998). Der Großteil der Larven wandert über die Plazenta hauptsächlich in die Leber der sich entwickelnden Föten. Aber auch das Gehirn, die Nieren, die Muskulatur und in die Lunge werden befallen. Ein kleinerer Teil gelangt in den Darm der Hündin und in die Muttermilch, wodurch außerdem eine galaktogene Infektion der Welpen erfolgt (Abbott und Dent 1998, Stoye 1998, Warrlich 2003).
Die Weiterwanderung der Larven zur Lunge und anschließend zum Darm erfolgt unmittelbar nach der Geburt der Welpen. Um die dritte Lebenswoche wird die Infektion beim Welpen dann patent, d.h. die ersten Eier können im Kot der Welpen auftreten (Abbott und Dent 1998, Eckert 2000). Der adulte Wurm produziert pro Tag bis zu 200.000 Eier (Stoye 1983). Die Zahl der ausgeschiedenen Wurmeier kann dann bis zu 50.000 Eier pro Gramm Kot betragen (Eckert 2000).

Würfe von latent mit Spulwürmern infizierten Hündinnen sind oft zu 100 Prozent infiziert (Abbott und Dent 1998, Epe 2006). Durch die Trächtigkeit wird immer nur ein gewisser Teil der ruhenden Larven mobilisiert. Deshalb kann es auch ohne erneute Infektion des Muttertieres bei weiteren Würfen zu einer Larvenübertragung kommen (Eckert 2000). Das gleiche gilt für den Hakenwurm Ancylostoma caninum. Hier werden die ruhenden Larvenstatien um den 50. Trächtigkeitstag reaktiviert (Stoye 1970). Allerdings kommt es hier nur zu einer galaktogenen Infektion der Welpen über die Muttermilch (Stoye 1998).

Spulwurmbefall bei adulten Hunden
Der Spulwurm Toxocara canis kommt beim Hund zusammen mit den Giardien mit Abstand am häufigsten vor. Die Prävalenz patenter Infektionen schwankt zwischen 3 und 80 Prozent (Eckert 2000). Einer Untersuchung von Barutzki (2003) zufolge, können bei Hunden in Deutschland mit Endoparasitosen bei 22,4 Prozent der Tiere Toxocara canis nachgewiesen werden (Barutzki 2003). Eine im Raum Hannover durchgeführte Untersuchung von 3329 Hunden ergab einen Anteil von 6,9 Prozent Spulwürmer-infizierter Hunde. In der Südschweiz wurde ein Anteil von 14-17 Prozent festgestellt (Eckert 2000). Toxascaris leonina kommt bei Hunden mit 0,6 Prozent deutlich seltener vor (Barutzki 2003).

Die Infektion mit Toxocara canis erfolgt oral durch die Aufnahme von Wurmeiern mit infektionsfähigen Larven. Dies kann zum einen direkt durch Herumschnuppern oder über die Nahrung geschehen. Es ist aber auch eine Infektion über paratenische Wirte wie Nager möglich. Nach der Infektion wandern die Larven je nach Immunstatus des Hundes vom Darm über Leber und Lunge, Luftröhre und Kehlkopf wieder in den Dünndarm, wo sie schließlich geschlechtsreif werden. Bei guter Immunitätslage gelangen sie auf dem Blutweg in die Lunge und verteilen sich anschließend in verschieden Organen und der Muskulatur. Hier bilden sie spezielle Kapseln aus und begeben sich teilweise über mehrere Jahre in ein Ruhestadium, die Hypobiose. Bei Hündinnen werden diese hypobiotischen Larven ab dem 40. Tag der Trächtigkeit reaktiviert (Eckert 2000).

Obwohl eine Spulwurm-Infektion bei erwachsenen Hunden in der Regel symptomlos verläuft, kann es bei einem massiven Befall zu Müdigkeit, Appetitmangel, Abmagerung, aufgetriebenem Bauch durch die vielen Würmer, Erbrechen, glanzlosem Fell, Husten bis hin zu nervösen Erscheinungen mit Krämpfen oder Darmverschluss kommen. Bei Massenbefall kann es unter Umständen sogar zu einem Darmwandriss mit Todesfolge kommen. Nicht selten treten auf Grund der Körperwanderung der Larven Blutungen in Darm, Leber und Lunge auf.

Spulwürmer werden bis zu 18 cm lang. Eine Infektion kann durch regelmäßige Kotuntersuchungen nachgewiesen werden (Epe 2006). Es werden teilweise bis zu 200.000 Eier täglich mit dem Kot ausgeschieden. Auf Grund der mehrere Wochen dauernden Präpatenz ist eine Entwurmung mehrmals im Jahr notwendig. Selbst bei einer vierteljährlichen Entwurmung kann eine Wurmfreiheit noch nicht hundertprozentig garantiert werden (Sager et al. 2006). Neben der zuverlässigen Wirksamkeit gegen unreife, präadulte und adulte Stadien besitzt Fenbendazol auch eine ovizide Wirkung, wodurch der Infektionsdruck unverzüglich reduziert werden kann. Außerdem tötet Fenbendazol die Rundwürmer nicht schlagartig ab, sondern lässt sie langsam durch die Hemmung der Glukoseaufnahme und des Glukosestoffwechsels innerhalb von 2-3 Tagen absterben. Dadurch besteht kein Risiko für einen plötzlichen Darmverschluss mit der Gefahr einer Darmruptur (Scholtysik und Kaufmann 1996).