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Equines Herpesvirus (EHV)

Schutzmaßnahmen gegen Stutenabort

Autor:
Dr. Julia Henning

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Nicht selten ist EHV 1 in einem Bestand für die Aborte bei Stuten verantwortlich. Das Abortieren kann sogar einen seuchenhaften Charakter annehmen. Durch welche Maßnahmen Sie Ihren Bestand davor schützen können, lesen Sie hier.



Weitere Informationen
Eine Infektion mit equinen Herpesviren (EHV) ist die wichtigste und häufigste Ursache für das Verfohlen (Abort) von Stuten. Meistens liegt dem Abort eine Infektion mit dem Subtyp EHV 1 zu Grunde. Diese Form des Stutenaborts kann vereinzelt oder seuchenhaft auftreten. Um ein seuchenhaftes Geschehen zu verhindern, sollten Züchter, die mehrere tragende Stuten haben, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen. Vor allem sollte der Kontakt zu verseuchten Beständen vermieden und großer Wert auf die Hygiene gelegt werden. In praxi ist es allerdings fast unmöglich, seine Tiere von Virusträgern vollständig fernzuhalten, da equine Herpesviren in der Pferdepopulation sehr weit verbreitet sind9.

Daher ist die regelmäßige Durchführung einer Bestandsimpfung gegen Herpes, um so wichtiger. Durch regelmäßige Schutzimpfungen wird der Infektionsdruck im Bestand verringert und Krankheitssymptome treten viel seltener auf, da die Immunabwehr der Tiere auf diese Erreger bereits eingestellt ist und schneller reagieren kann.

Im folgenden finden Sie Empfehlungen14 für verschiedene Schutzmaßnahmen, um Ihre Stuten vor einem EHV 1-bedingtem Abort zu schützen.

Tier

  • Grundimmunisierung und regelmäßige Wiederholungsimpfung (alle sechs Monate) aller Pferde des Bestandes
  • Grundimmunisierung vor der Trächtigkeit und zusätzliche Impfung im 3./4. und 7./9. Monat der Trächtigkeit
  • Nur ausreichend geimpfte Tiere einstellen
  • Kein Verkehr geimpfter Tiere mit nichtgeimpften Tieren
  • Trennung der Zuchtstuten von der übrigen Herde
  • Einhaltung von zucht- und haltungshygienischen Maßnahmen
  • Verfügbarkeit eines Quarantänestall

Umwelt

  • Einhaltung hoher Hygienestandards für Boxen, Stallungen, Koppeln
  • Spezielle Mistbehandlung oder sehr achtsame Entsorgung
  • Vermeidung von haltungsbedingtem Stress wie Absetzen, Rangordnungskämpfe, Überbelegung, Unruhe, Aggressivität, Mangelernährung usw.

Maßnahmen bei einem Ausbruch
  • Unschädliche Beseitigung der abortierten Foeten und der Nachgeburt (Tierkörperbeseitigungsanlage, TBA)
  • Erkrankte Tiere von den übrigen trennen (Isolationsbox)
  • Desinfektion von Boxen, Stallgasse, Futter, Streu und Dung
  • gründliche Reinigung und Desinfektion
  • Absonderung von infizierten und infektionsverdächtigen Tieren
  • Andere Ställe und Betriebe mit Pferden meiden
  • Schuhwerk und Arbeitskluft häufig und gründlich reinigen und desinfizieren

Tipps zum stressarmen Absetzen von Fohlen

  • Die Stute wird von Fohlen getrennt, das Fohlen verbleibt vorerst in seiner gewohnten Umgebung
  • Nach Möglichkeit Fohlen mit bereits bekannten koppelgenossen des gleichen Alters absetzen oder Fohlen zumindest zum Absetzen mit anderen zusammenstellen, das lenkt die Tiere von ihrem Kummer ab
  • Anfangs sollte die Trennung von der Mutter nur Minuten dauern, dann stundenweise, dann einen Tag bis es schließlich zu einer dauerhaften Trennung kommt
  • Stute und Fohlen sollten stets außerhalb der Sicht- und Hörweite sein