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Equines Herpesvirus (EHV)

Prävention von Infektionskrankheiten beim Pferd

< Tierarzt Prof. Dr. Peter Thein geht in seinem Artikel auf das Thema Impfungen beim Pferd ein und erläutert die wichtigsten Begriffe und Hintergründe und beschreibt die praktische Vorgehensweise.

Die einzige laut LPO vorgeschriebene Impfung beim Turnierpferd ist die gegen Influenzaviren. Diese befallen typischerweise die Atemwege. Ein ordnungsgemäßer im Pferdepass dokumentierter Impfschutz besteht aus Grundimmunisierung und Wiederholungsimpfungen. Mit der Grundimmunisierung wird beim halbjährigen Fohlen begonnen, die zweite Impfung folgt ein bis zwei Monate später und die dritte nach weiteren sechs Monaten. Zur Aufrechterhaltung der dadurch induzierten immunologischen Abwehrfunktion muss die Influenza-Impfung halbjährlich mit den jeweilig aktuellsten Impfstämmen geboostert werden.

Zu einem vernünftigen Infektionsschutz beim Pferd gehört neben der Influenza-Impfung auch die gegen Equine Herpesviren vom Typ 1 und 4 (EHV 1; EHV 4). EHV verursacht bei Pferden Atemwegsinfektionen und bei Stuten außerdem Aborte. Die Komplikation dieser Viren besteht in ihrer Latenz.
Unter Stress können infizierte, klinisch unauffällige Tiere zum einem selber schwer erkranken und zum anderen durch Ausscheiden der Herpesviren ganze Pferdepopulationen anstecken.
Die EHV-Impfung kann problemlos mit der Influenza-Impfung in Form von Kombinationspräparaten (z.B. Resequin plus®) gemeinsam verabreicht werden. Die EHV-Impfung erfolgt dementsprechend zur selben Zeit wie die Influenza-Impfung.

Weiterhin wird dringend eine Tetanus-Impfung empfohlen. Die Erreger sind ubiquitär vorhanden und eine Infektion endet häufig mit dem Tod des Pferdes. Wenn Zuchtstuten ordentlich gegen Tetanus geimpft sind, nehmen die Fohlen genügend Antikörper über das Kolostrum für die ersten sechs Monate auf.
Spätestens dann sollte das Fohlen mit einem Tetanustoxoid zweimal im Abstand von etwa zehn Wochen geimpft werden. Die erste Wiederholung erfolgt dann ein Jahr später. Der bestehende Infektionsschutz sollte dann alle zwei Jahre aufgefrischt werden.

Über die Notwendigkeit einer Tollwut-Impfung muss individuell entschieden werden. Tollwut wird durch den Biss infizierter Fleischfresser übertragen. Thein empfiehlt eine Tollwut-Impfung am Ende des sechsten Lebensmonats, wenn zuvor die Mutterstute immunisiert wurde. Bereits etwa vier Wochen nach der Impfung besteht für die Dauer eines Jahres ein ausreichender Impfschutz. Die Boosterung erfolgt dann einmal jährlich.

Generell ist zu beachten, dass nur gesunde Pferde lege artis geimpft werden dürfen.
Dann stehen eventuell auftretende Impfkomplikationen in keinem Verhältnis zum Nutzen.


Links / Literatur
Peter Thein (2003). Der praktische Tierarzt 3/2003, S. 220-222
Impfschemata
Telefonsprechstunde mit Prof. Dr. Dr. Peter Thein
FN-Merkblatt für Turniertierärzte

Bearbeitet von:
Alexandra Iliana Giesen / VETmotion

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