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Teacup-Hunde weisen klare Qualzuchtmerkmale auf
11.06.2020
Die Zucht von Teacup-Hunden ist in Deutschland sehr umstritten. Die Mini-Hunde sind maximal 23 Zentimeter groß und ihre besonderen Merkmale sind große Kulleraugen, runde Köpfe und winzige Körper. Die Anschaffungskosten für den Modehund belaufen sich nicht selten auf rund 8.000 Euro. Gezüchtet werden die Teacups, indem die schwächsten und kleinsten Tiere für die weitere Zucht ausgewählt werden, wie Daniela Schrudde, inhaltliche Leiterin der Welttierschutzgesellschaft, zu berichten weiß. Eigentlich scheint die rechtliche Lage eindeutig zu sein: Denn nach dem Tierschutzgesetz sind sogenannte Qualzuchten in Deutschland verboten. Das heißt, es ist nicht erlaubt, Tiere zu züchten, wenn ihnen Körperteile oder Organe für ihren artgemäßen Gebrauch fehlen oder umgestaltet sind - und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. „Wenn man sich die Teacup-Hunde anschaut, die haben das alle", erläutert Schrudde. Bestimmte Qualzuchtmerkmale wie etwa die Kurzköpfigkeit sind bereits bekannt und wissenschaftlich untersucht, erklärt Lisa Hoth, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Doch bislang gab es in der Vergangenheit nur Urteile einzelner Zuchten. Zudem zittern die Mini-Hunde häufig, da ihre Körpertemperatur zu niedrig ist. Auch Fehlentwicklungen am Kopf, etwa infolge
von erblich bedingt nicht zusammenwachsenden Knochenspalten seien zu beobachten, so Hoth weiter. Ohnehin seien die Knochen sehr fragil, die Augen unproportional groß und dadurch verletzungsanfälliger und Milchzähne oft nicht ohne äußere Hilfe entfernbar. Einer der wenigen ZüchterInnen in Deutschland, Ivonne Winter, verteidigt ihre Arbeit. Ihre Mini-Pudel seien genauso gesunde Hunde wie jeder Klein- oder Großpudel, sagt Winter. Gegen die Zucht der Teacups setzen sich auch der Internationale Hunde Verband (IHV) sowie der deutsche Tierschutzbund ein. Doch bisher ist es rechtlich schwer, gegen Züchter oder Händler der Mini- Tiere vorzugehen, weil der Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, der das Verbot von Qualzuchten regelt, "sehr offen formuliert ist", erklärt Andrea Mihali, Fachreferentin für Hunde beim Deutschen Tierschutzbund. Auch Tierarztverbände und die Tierschutzbeauftragten einiger Länder wie Baden-Württemberg sowie Tierheime unterstützen die Kritik, der Paragraph müsse eindeutiger und differenzierter formuliert werden. Der deutsche Tierschutzbund hat deshalb im März 2017 einen Entwurf zur Heimtierschutzverordnung veröffentlicht. Der Vorschlag wurde jedoch von der Bundesregierung bislang weder diskutiert noch angenommen.
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