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Mehr Artenvielfalt in Nordeuropa
15.07.2020
Die Artenvielfalt verringert sich weltweit in zunehmendem Maße und betrifft fast alle Tier- und Pflanzengruppen. „Lokal ist dies etwas komplexer – hier spielen Faktoren vor Ort, wie beispielsweise der Verlust seltener Arten sowie die Ansiedlung neuer Arten, eine große Rolle für das Gesamtergebnis“, erklärt Prof. Dr. Peter Haase. Er ist Abteilungsleiter „Fließgewässerökologie und Naturschutzforschung“ am Senckenberg Forschungsinstitut, das in einer umfassenden Studie die Ergebnisse einer einmaligen Zusammenstellung von 161 Langzeitmessreihen (15–91 Jahre) von über 6.000 marinen, terrestrischen und im Süßwasser lebenden Arten in 21 europäischen Ländern untersucht hat. Die Forschenden fanden heraus, dass sich entgegen der Trends weder Artenvielfalt noch Anzahl der Arten in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas verändert haben, während im Norden Europas ein Anstieg in Vielfalt und Artenzahlen zu beobachten ist. So konnten sie auf Grund der steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels einen Austausch der
bisherigen Flora und Fauna durch neue, häufig an wärmere Gebiete angepasste Arten beobachten. „Je nach Großlebensraum und taxonomischer Gruppe können sich die Trends zudem deutlich unterscheiden. Während in marinen Gebieten beispielsweise in den untersuchten Zeiträumen die Vielfalt anstieg, ist dies für die Fließgewässer nicht zu beobachten. Die Diversität von am Gewässergrund lebenden Algen nahm im Schnitt ab, während Vögel und aquatische Wirbellose überraschenderweise einen Anstieg verzeichnen. Wir sehen also, dass die Trends nicht immer Arten- oder Ökosystem-übergreifend gleich sind“, erläutert eine der ErstautorInnen Francesca Pilotto von der schwedischen Umeå Universität. Das Team fordert auf Grundlage ihrer Ergebnisse einen Ausbau der Langzeitmessreihen sowie eine Vereinheitlichung der europäischen Messmethoden in den verschiedenen Lebensräumen. „Nur so kann es uns gelingen, für die einzelnen Regionen und ihre Tier- und Pflanzenarten sinnvolle Schutzmaßnahmen zu entwickeln“, erklärt Haase abschließend.
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