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Klöckner legt Gesetzentwurf für Verbot der Kükentötung vor
09.09.2020
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat endlich den lange angekündigten Gesetzentwurf zum Ausstieg aus dem Kükentöten vorgelegt. Noch werden jährlich alleine in Deutschland rund 45 Millionen männliche Nachkommen von Legehennen kurz nach dem Schlüpfen getötet, denn nur die weiblichen Küken eignen sich zum Eier legen. Der vorgelegte Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes zielt auf ein flächendeckendes Verbot des Kükentötens in Deutschland ab Ende 2021 ab. Da ein Verbot des Kükentötens nur Sinn macht, wenn Betriebe nicht mangels Alternativen ins Ausland abwandern, hat das BMEL seit 2008 mit mehreren Millionen Euro verschiedene Verfahren und Initiativen unterstützt, die das Töten männlicher Küken überflüssig machen. So lässt sich mit der Geschlechtsbestimmung im Brutei ("In-ovo-Geschlechtsbestimmung") frühzeitig vor dem Schlupf der Küken prüfen, ob aus dem Ei ein weibliches oder männliches Küken schlüpft. Eier, in denen sich weibliche Küken entwickeln, werden weiter bebrütet; das Bebrüten der Bruteier mit männlichen Embryonen wird abgebrochen. Die aussortierten Eier können dann beispielsweise als Futtermittel genutzt werden. Diese In-ovo-Mehode wird einmal auf durch ein endokrinologisches Verfahren umgesetzt, bei dem die Eier etwa neun Tage lang bebrütet werden. Beim zweiten Verfahren handelt es sich um ein spektroskopisches, bei dem die Eier etwa vier Tage lang bebrütet werden. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt und das Geschlecht kann durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt werden. Wöchentlich werden bereits 60.000 Bruteier, in denen
sich weibliche Küken entwickeln, identifiziert. Bis Ende 2021 sollen die Verfahren breitflächig einsetzbar sein, so dass die Geschlechtsbestimmung in großer Stückzahl und zuverlässig erfolgen kann. Neben der Geschlechtsbestimmung im Brutei hat das BMEL als weitere Alternative zum Kükentöten die Züchtung von Zweinutzungshühnern gefördert. Bei Zweinutzungshühnern wachsen die weiblichen Küken zu Legehennen heran und die männlichen Küken werden zur Mast aufgezogen. Bisher ist der wirtschaftliche Output für die Landwirte jedoch nicht rentabel. Eine weitere Alternative zum bislang praktizierten Kükentöten ist die Aufzucht der sogenannten "Bruderhähne". Sie sind die männlichen Geschwister der Legehennen. Einige Betriebe haben mit der "Bruderhahn"-Aufzucht begonnen und halten die männlichen Tiere zur Erzeugung von Fleisch. Für die Aufzucht dieser männlichen Tiere, die nach einer deutlich längeren und teureren Mast zu qulitativ schlechterem Fleisch führt, müssen höhere Produktionskosten angesetzt werden, die häufig durch einen Preisaufschlag auf Eier der Schwestern von Bruderhähnen ausgeglichen werden. Der vorgelegte Entwurf ist bereits bei Tierschützern sowie auch bei der Geflügelbranche jeweils auf unterschiedliche Kritik gestoßen. Während es der einen Seite nicht weit und schnell genug geht, ist den anderen erwartungsgemäß das Tempo zu rasant und es werden Wettbewerbsnachteile befürchtet. Allerdings wird das Theme Kükentötung und der Wunsch der Verbraucher nach einem Verbot dieser Praxis seit Jahren diskutiert, so dass ein konkreter Gesetzesentwurf so oder so nur begrüßt werden kann, da nun Fahrt in die Angelegenheit zu kommen scheint. Endlich!
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