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Frühwirth warnt vor Folgen des Antibiotikaverbotes
26.08.2021
Mitte September 2021 findet in Straßburg die parlamentarische Abstimmung zur Eingruppierung von Reserveantibiotika statt. Aus diesem Anlass warnte der Präsident der österreichischen Tierärztekammer, Mag. Kurt Frühwirth: „Sollte sich das Europäische Parlament für ein Antibiotikaverbot bei Heim- und Nutztieren aussprechen, so hätte dies schwerwiegende Folgen für Mensch und Tier." „Zur Diskussion steht ein weitreichendes Verbot von bestimmten antimikrobiellen Wirkstoffklassen, die in der Tiermedizin verwendet werden. Dies hätte nicht nur enorme Folgen auf die tiermedizinische Betreuung in der Landwirtschaft und damit die fleischproduzierende Industrie, sondern auch weitreichende Konsequenzen für KonsumentInnen sowie auch die Gesundheit von Haustieren“, so Frühwirth. Grundlage der Entscheidung ist die 2019 verabschiedete EU–Tierarzneimittelverordnung 2019/6. Sie verpflichtet die Mitgliedsstaaten bis zum Inkrafttreten des Gesetzes im Januar 2022 festzulegen, welche Antibiotika künftig für den Einsatz beim Menschen vorbehalten werden soll und somit für die Behandlung von Haus- und Nutztieren nicht mehr zur Verfügung stehen. So könnten
bestimmte Infektionserkrankungen bei Tieren nicht ausreichend und effizient behandelt werden, was auch einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Der dafür zuständige Ausschuss hat den auf wissenschaftlicher Expertise basierenden Kommissionsvorschlag dazu jedoch dessen ungeachtet abgelehnt. Abschließend betonte Frühwirth, dass sich Tierärztinnen und Tierärzte durchaus der Resistenzproblematik bewusst sind und bereits seit vielen Jahren verschiedene Strategien entwickelt haben, um den Antibiotikaverbrauch zu reduzieren. So gibt es verpflichtende Leitlinien und Verordnungen zur Anwendung, Dokumentationspflichten, Antibiotikaverkaufsmengenerfassung, Kontrollpläne zu Rückständen in Lebensmitteln und Monitoring-Programme. Umso unverständlicher sei es, wenn nun ein restriktives Verbot für die Tiermedizin eingeführt werden würde. TierärzteInnen und TierhalterInnen sind gleichermaßen angehalten, gegen dieses Verbot zu protestieren. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) hat Kolleginnen und Kollegen in Deutschland aufgefordert, Unterschriften zu sammeln und bis zum 8.9.2021 an den bpt zu senden. Außerdem gibt es eine Online-Petition, die unterschrieben werden sollte.
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