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Verbände kritisieren Gesetzesentwurf zur Tierhaltungskennzeichnung
29.07.2022
Der Gesetzentwurf des Bundeslandwirtschaftsministers Cem Özdemir zu ab 2023 geplanten Tierhaltungskennzeichnung stößt bei verschiedenen Verbänden auf scharfe Kritik. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) kritisieren den Entwurf aufgrund zu geringer Transparenz und zu vieler Schlupflöcher für Preisdrücker aus dem Lebensmittelhandel. Die ISN fordert, dass alle Absatzkanäle einbezogen werden müssten. „Wenn das Kennzeichen wie angekündigt kommt, bleibt es eine abgespeckte Light-Version, die zentrale Bereiche wie den Außer-Haus-Verzehr ausspart" so die Stellungnahme des ISN. „Die Schlupflöcher, die Großhandel, Außer-Haus-Verzehr, Verarbeitungsprodukte und auch Importware über zu lange Zeit gewährt werden, unterwandern die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Schweinehalter." Kritik kommt auch von Seiten des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG). Auch dessen Präsident Friedrich-Otto Ripke weist auf die fehlende Erwähnung des Außer-Haus-Verzehrs hin. „Unser Bundesminister vergisst damit wissentlich, über die Hälfte des Marktes zu regeln. Mehr als 50% des Fleischabsatzes fließt in diesen Bereich. Gerade hier wäre mehr Transparenz zu
Haltung und Herkunft von Tieren besonders wichtig. Dort auf die verpflichtende Kennzeichnung zu verzichten, ist auf Sicht tödlich für die heimische Wertschöpfung“, erklärt Ripke. „Zusätzlich zu diesen enormen finanziellen Belastungen ist eine obligatorische Herkunftskennzeichnung auf allen Vermarktungswegen als klare Auszeichnung und Wertschätzung der deutschen Ware nach wie vor nicht vorgesehen“, kritisiert der ZDG-Präsident. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt zwar die Verbindlichkeit, jedoch mahnen die TierschützerInnen die fehlenden Kriterien für alle Stufen sowie für Transport und Schlachtung an. „Aus einem geplanten Tierwohlkennzeichen ist ein Tierhaltungskennzeichen geworden. Statt dem Verbraucher Transparenz über die gesamte Lebensspanne des Tieres zu bieten und aus Tierschutzsicht zu bewerten, wird nur die Form der Haltung dargestellt. Ein Anreiz zur Verbesserung der Haltung ist nicht vorgesehen. So wird die Verantwortung für mehr Tierschutz wieder auf den Verbraucher abgeschoben, das Ordnungsrecht bleibt unverändert. Damit wird eine Chance vertan“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, den Gesetzentwurf des Bundeslandwirtschaftsministers.
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