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Strengere Vorschriften für isländische Blutfarmen
31.10.2022
In Island werden Islandstuten für die Gewinnung des Hormons PMSG (Pregnant mare serum gonadotropin) auf sogenannten Blutfarmen verwendet. Über einen Zeitraum von ca. 10 Wochen wird den tragenden Stuten dann über eine Kanüle in der Halsvene bis zu fünf Liter Blut pro Woche entnommen. Das aus dem Blut gewonnene PMSG wird durch ein isländische Biotech-Unternehmen zu Pulver verarbeitet und an Züchter von Kühen und Schweinen verkauft, um die Fruchtbarkeit ihrer Tiere zu erhöhen. Die Fohlen der "verwendeten" Stuten werden nach der Geburt meist geschlachtet. Für die Farmbesitzer ist das Geschäft mit dem Blut der Stuten äußerst lukrativ, für die Tiere ist es eine Qual, so Tierschützer. Ein vor ca. einem Jahr veröffentlichtes Video zeigt zudem schlimme Misshandlungen der Tiere. Die Aufnahmen lösten sowohl im Ausland als auch in Island eine Schock-Welle aus und führte immerhin dazu, dass einige Züchter sich aus dem Geschäft zurückgezogen haben. Auch wurden polizeiliche Untersuchungen eingeleitet und die
Veterinärbehörden inspizierten alle isländischen Blutfarmen, allerdings bislang ohne Konsequenzen für die Betriebe. Die Debatte über die Zuchtbetriebe geht unterdessen weiter. Die Mehrheit der Isländer hat erst durch die Videos von dem Geschäft mit dem Stutenblut erfahren, obwohl dies seit 1979 auf der Insel praktiziert wird. „Ein Medikament für Nutztiere herzustellen, nur um ihre Fruchtbarkeit über das natürliche Maß zu steigern - das ist kein hehrer Zweck", sagt Rosa Lif Darradottir vom neu gegründeten isländischen Tierschutzverband. „Das ist schlicht und ergreifend Tierquälerei", sagt auch die Oppositionsabgeordnete Inga Saeland und fordert ein Verbot der Praxis. Seit August 2022 sind nun strengere Vorschriften in Kraft getreten. Sie gelten drei Jahre. Bis dahin will Island grundsätzlich über die Zukunft der Blutfarmen entscheiden. Unterdessen hat die Fachkommission Viehwirtschaft des Schweizer Bauernverbandes (SBV) den Einsatz von PMSG bei Schweinen verboten. Dies betrifft rund 95% der Schweine haltenden Betriebe.
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