Özdemir: Keine Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel
Der Krieg in der Ukraine wütet bereits seit mehr als 10 Monaten und
ein Ende ist nicht in Sicht. Der widerrechtliche Einmarsch der Russen
hatte jedoch auf die Ernährungssituation der ganzen Welt großen
Einfluss. Getreide wurde knapp, und die Preise für Lebensmittel sind
in die Höhe geschnellt. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir
rechnet damit, dass das aktuell hohe Preisniveau bei Lebensmitteln
so bleiben wird. Um die VerbraucherInnen in Deutschland zu
entlasten und gleichzeitig zu motivieren, weniger Fleischprodukte zu
konsumieren, schlägt der Minister eine Abschaffung der
Mehrwertsteuer für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte vor. Wie
Özdemir in einem Interview mit der Funke Mediengruppe auch erklärt,
sollte Getreide besonders in Zeiten des Mangels in erster Linie für die
menschliche Ernährung genutzt werden. „Die Herstellung von
Biosprit aus Nahrungspflanzen hat keine Zukunft – vor allem nicht,
wenn wir das Thema Ernährungssicherheit und bezahlbare
Lebensmittel ernst nehmen“, so der Agrarminister. „Wir brauchen
in der
Bundesregierung eine vernünftige Einigung, dass wir
schrittweise
runtergehen vom Biosprit aus Nahrungspflanzen, um diese für die
menschliche Ernährung nutzen können. Ich würde es befürworten,
wenn wir ab 2030 im Verkehrssektor auf Kraftstoff aus
Anbaubiomasse verzichten würden“, lautet Özdemirs Vorschlag.
Abschließend fordert Özdemir die drastische Reduzierung von
Pflanzenschutzmitteln, um dem Artensterben entgegen zu treten.
„Wir brauchen integrierten Pflanzenschutz, bei dem der Einsatz von
Pestiziden nur das letzte Mittel ist, wenn alle anderen Maßnahmen –
angefangen bei der Fruchtfolge bis hin zu alternativen
Pflanzenschutzmethoden – nicht greifen“, betont der Grünen-
Politiker. „Pflanzenschutzmittel und auch Dünger können inzwischen
viel gezielter eingesetzt werden, die Forschung dazu treiben wir
massiv voran. Ich bekenne mich ganz klar zum Ziel der EU, 50
Prozent der Pflanzenschutzmittel bis 2030 einzusparen – über den
Weg dahin müssen wir sprechen“, so Özdemir abschließend.